Die Ware ist produziert, gekennzeichnet und im 12er-Karton palettiert – und dann kommt die Listung: Der Handel nimmt den Artikel auf, aber nur als 6er. Neu produzieren lohnt sich nicht, die Verkaufsverpackung ist ja in Ordnung. Was sich ändern muss, ist das Gebinde drumherum. Dieser Beitrag zeigt, was beim Wechsel von 12er auf 6er am Karton, an der Palette und an den Stammdaten passiert und was die Umstellung an einem durchgerechneten Beispiel kostet.
Warum listet der Handel 6er statt 12er?
Die Gründe liegen fast immer beim Abverkauf. Ein Markt, der von einem Artikel drei Stück pro Woche verkauft, will keinen Karton mit zwölf Stück ins Lager nehmen; ein kleineres Gebinde senkt den Bestand je Filiale und passt besser in schmale Regalfächer. Dazu kommt die Handhabung beim Einräumen: Ein 12er-Karton mit Gläsern wiegt schnell über zehn Kilo, ein 6er etwa die Hälfte. Manche Handelsketten legen die Gebindegröße deshalb in ihrer Lieferantenvorgabe fest, andere entscheiden je Warengruppe oder sogar je Artikel.
Für Sie als Lieferanten heißt das: Die gleiche Ware braucht je nach Kunde unterschiedliche Gebinde. Solange die Mengen je Variante überschaubar sind, ist das Umpacken des fertigen Bestands meist schneller und günstiger als eine zweite Verpackungslinie.
Was ändert sich am Handelsgebinde, wenn aus einem 12er zwei 6er werden?
Unser Beispiel: Ein Feinkosthersteller aus der Region Magdeburg hat 36.000 Gläser Grillsauce im 12er-Karton auf 24 Europaletten. Ein Kunde listet den Artikel als 6er, ein zweiter fragt nach einem 4er. So sieht die Umstellung aus:
| Merkmal | 12er (Ausgang) | 6er | 4er |
|---|---|---|---|
| Stück je Karton | 12 | 6 | 4 |
| Kartons für 36.000 Gläser | 3.000 | 6.000 | 9.000 |
| Kolli-Etiketten des Kunden | 3.000 | 6.000 | 9.000 |
| Sekunden je Glas beim Umpacken | – | 20,3 Sekunden | 24,5 Sekunden |
| Arbeitsstunden gesamt | – | rund 203 | rund 245 |
| Arbeit gesamt | – | 3.600 € | 4.042 € |
| Transport hin und zurück (379 km) | – | 1.600 € | 1.600 € |
| Gesamt | – | 5.200 € | 5.642 € |
| je Glas, nur Arbeit | – | 0,10 € (Einstiegspreis) | 0,11 € |
| je Glas mit Transport | – | 0,14 € | 0,16 € |
Richtwerte 2026 – unverbindlich. Ihr konkretes Angebot erhalten Sie nach Anfrage und Muster. Die Zielkartons und Kolli-Etiketten stellt in diesem Beispiel der Hersteller; der Transport läuft je Richtung als Komplett-LKW über unsere Partnerspedition.
Warum kostet ein kleineres Gebinde je Stück mehr?
Das Glas selbst wird in beiden Fällen gleich behandelt: aus dem 12er nehmen, kurz sichten, in den neuen Karton setzen – dafür rechnen wir 12 Sekunden je Stück. Der Unterschied entsteht am Karton. Aufrichten, Verschließen und das Anbringen des Kolli-Etiketts kosten zusammen 50 Sekunden je Karton, und diese Zeit verteilt sich beim 6er auf sechs Gläser, beim 4er nur auf vier. Je kleiner das Gebinde, desto größer der Anteil der Kartonarbeit am Preis je Stück.
Beim 6er ergibt die reine Rechnung sogar weniger als 10 ct je Glas. Dann gilt der Einstiegspreis, weil Wareneingang, Erstmuster, Kontrolle jedes Kartons und Mengenabgleich unabhängig von der Taktzeit anfallen. Für eine erste Kalkulation Ihres eigenen Artikels reicht die Faustregel: Sekunden am Stück plus Sekunden am Karton geteilt durch die neue Stückzahl je Karton.
Welche Kartonage braucht das neue Gebinde?
Ein 6er-Karton ist kein halbierter 12er. Weil sich die Stapellast auf der Palette auf mehr Kartons verteilt, muss jeder einzelne Karton die Last der darüberliegenden Lagen tragen – bei Glas oft mit Gefachen oder Trennstegen, damit die Gläser sich nicht berühren. Klären Sie mit Ihrem Kartonagelieferanten Innenmaß, Wellenart und Gefache, bevor Sie bestellen, und schicken Sie uns zwei Muster für das Erstmuster.
Die Zielverpackung – Kartons, Trays, Inlays, Beilagen, Etiketten – stellen in der Regel Sie; Kartonagen, Füllmaterial, Klebeband, Stretchfolie und Umreifungsband beschaffen wir auf Wunsch nach Ihrer Spezifikation. Beschaffen wir die Kartons, rechnen wir 8 % Aufschlag auf die Arbeit; beim 4er stiege der Arbeitsanteil im Beispiel damit von 0,11 € auf 0,12 € je Glas, die Kartons selbst kommen nach Beleg hinzu. Die alten Kartonagen gehen sortenrein an Sie zurück oder werden nach Ihrer Vorgabe entsorgt.
Wie ändern sich Palette und Lagenbild?
Mit dem kleineren Karton ändert sich auch das Lagenbild. Auf einer Europalette (1.200 × 800 mm) stehen dann mehr Kartons je Lage, und die Gesamthöhe hängt von der Vorgabe des Empfängers ab. Manche Zentrallager nehmen nur sortenreine Paletten mit festgelegter Lagenzahl an, andere verlangen für kleine Gebinde eine Düsseldorfer Palette (800 × 600 mm). Diese Vorgabe gehört ins Packschema, bevor das Erstmuster gepackt wird. Worauf es beim Ladeschema ankommt, erklärt der Ratgeber Umpalettieren nach Lagenbild und Ladeschema.
Welche Stammdaten müssen vor dem Umpacken feststehen?
- Handelseinheit: Der 6er ist für den Handel ein eigener Artikel mit eigener Nummer auf dem Kolli-Etikett. Die Daten legen Sie mit Ihrem Abnehmer fest.
- Kolli-Etikett: Inhalt, Position und Menge je Karton. Etiketten für die umgepackte Ware – EAN-, Länder- oder Chargenetikett – stellen Sie fertig gedruckt, wir bringen sie beim Umpacken an.
- Charge und Mindesthaltbarkeit: Werden mehrere Chargen umgepackt, gehört in jeden 6er nur eine Charge – das steht im Packschema und wird bei der Ausgangskontrolle geprüft.
- Kennzeichnung: Was auf Umkarton, Beilage und Etikett stehen muss, legen Sie fest – wir setzen Ihre Vorgabe um.
Was ist mit Restmengen und ungeraden Stückzahlen?
Geht die Menge nicht glatt auf – etwa weil einige Gläser beim Wareneingang als beschädigt auffallen –, bleibt am Ende ein angebrochener Karton. Wir packen ihn nicht auf, sondern stellen ihn getrennt, kennzeichnen ihn mit der tatsächlichen Stückzahl und nennen ihn im Lieferschein. Im Lieferschein steht der Mengenabgleich: Eingang = Ausgang + n.i.O., jede Abweichung mit Foto belegt. So stimmt Ihr Bestand nach der Rücklieferung auf das Stück.
Wie lange dauert die Umstellung eines ganzen Bestands?
Die reine Handarbeit ist selten der Engpass. Die rund 203 Arbeitsstunden des 6er-Beispiels verteilen wir auf so viele Packplätze, wie der Termin verlangt; bei 2.000 Stunden Kapazität am Tag ist das kein Problem. Den Kalender bestimmen andere Schritte: die Anlieferung der neuen Kartons, die Freigabe des Erstmusters und das Anlieferfenster beim Empfänger. Realistisch sind vom Wareneingang bis zur Rücklieferung einige Arbeitstage, wenn die Kartonage beim Eintreffen der Ware schon bei uns liegt. Fehlt sie, warten die Paletten im Zwischenlager. Ein zweiter Punkt betrifft den Bestand, der während der Umstellung weiter verkauft wird: Legen Sie fest, welche Menge im 12er bleibt, damit Ihre übrigen Kunden lieferfähig sind. Oft ist es sinnvoll, nur einen Teil umzustellen und den Rest je Abruf nachzuziehen.
Wann ist ein Tray die bessere Lösung als ein kleinerer Karton?
Will der Handel die Ware ohne Umpacken im Markt direkt ins Regal stellen, reicht ein kleinerer Versandkarton nicht; gefragt ist dann eine regalfertige Verpackung mit Sichtseite. Den Umpackfall beschreibt Karton in Tray, die Anforderungen des Handels der Ratgeber Regalfertige Verpackung. Für reine Gebindeänderungen ist der Umpackfall Großgebinde in Kleingebinde die passende Übersicht.
Wie rechnen Sie Ihre eigene Gebindeänderung?
Im Umpackrechner wählen Sie „Gebinde neu setzen“, „Umkarton tauschen“ und „Umkarton kennzeichnen“, tragen die neue Stückzahl je Karton ein und ergänzen Menge und Abholort – der Rechner teilt die Kartonarbeit automatisch durch die Verkaufseinheit. Die Leistung im Überblick finden Sie unter Handelsgebinde und regalfertige Verpackung, das verbindliche Angebot binnen 24 Stunden über die Anfrage.